Kapitel 2

Wie sich beim Mittagessen herausstellte, wusste inzwischen das ganze Camp, dass ich Light einen Laufpass gegeben hatte. So ziemlich die Hälfte der Campbewohner hatten mich deswegen sofort ins Herz geschlossen. Verständlicherweise, waren es die, die mal etwas mit Light hatten oder mit ihm zusammen waren oder ihn einfach von Grund aus nicht mochten.. Dazu kamen noch die Trainer, die Light anscheinend für einen Unruhestifter hielten. (Ach wirklich? Das hätte ich jetzt nicht gedacht.) Aber auch manche von Lights Freunden, die mich nun für eine kleine Rebellin hielten, da Light hier wohl den Laden schmiss. Und Luce. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht kam er auf mich zu, verschwitzt, er kam gerade vom Training. Anerkennend klopfte er mir auf die Schulter. Die Sache jedoch ist die, die Hälfte der Leute hier mag mich, die andere…..nicht. Die, die Light bewunderten und für den er ein Held war, ja, es gab tatsächlich solche Leute, hielten mich für arrogant. Einer der Gründe, weshalb ich mich an Luce hielt. Zu meinen Gunsten stellte er mir gleich ein paar Leute vor. Sophie, sie war 15 Jahre, also ein Jahr jünger als ich, Wasserkriegerin, ich hatte sie sofort gerne. Hellbraune Haare, Rehaugen und eine richtige Tratschtasche. Pete, ein Jahr älter als ich, Feuerkrieger, schwarze Haare und atemberaubende Augen, ein Goldton, der sogar Diamanten in den Schatten stellte. Er war sehr freundlich, hielt sich jedoch meist zurück. Ich ernannte sie feierlich zu meinen neuen besten Freunden. Natürlich sagte ich das nicht laut und verbrachte den restlichen Tag mit ihnen. Luce kam und ging, da er immer wieder zum Training musste. Light sah ich den ganzen Tag nicht mehr, genauso wie Meeko, der mich zwar keines Blickes würdigte, aber sich ein Grinsen nicht unterdrücken konnte. Sophie und Pete übernahmen die Führung durch das Camp und zeigten mir die Schleichwege durch den Wald, es gab sogar einen Strand, wo man schwimmen konnte. In der Shopping-Street, die man hier einfach Via nannte, ließ Pete sich einen Bogen machen, während Sophie neue Kleider kaufen gehen wollte. Ich musste lächeln. Endlich mal etwas normales. Oder auch nicht. Als wir den Laden betraten, war von Kleidung nicht wirklich viel zu sehen. Dafür standen überall Rüstungen rum. Aus Leder, Eisen und noch anderen Materialien. Manche waren mit Diamanten versehen, als Schutz und gleichzeitig als eine Angrifsmöglichkeit.. Es wurde meist Leder verwendet, weshalb es dem Ganzen einen mittelalterlichen Schliff gab. Sophie suchte ein rotbraunes, an der Taille enganliegendes Lederwams, das dann locker bis kurz über die Knie fiel, mit goldenen Stickereien aus. Dazu passend eine dunkelbraune Leggins. Sie nickte kurz, ganz in ihrem Element. Dann wandte sie sich um und wählte noch leichte Schuhe und zwei Lederarmschoner, auch rotbraun. Damit beladen geht sie zur Kasse und … naja... zahlte. Die Münzen sind reines Gold, Silber und Bronze. Als ich sie darauf anspreche, lächelt sie wissend. „Also, die Währung sind nicht Dollar, sondern Aurus, Arum Pyrum, ein Aurus entspricht einer Goldmünze, ein Aurus sind 20 Arum, die Silbermünzen, ein Arum sind 20 Pyrum. Nichts einfacher als das,“ Ich nickte zustimmend. Es war wirklich einfach. Einfach immer in 20-er Schritten zählen. Als sie gezahlt hatte verließen wir den Laden und gingen wieder zur Schmiede, wo Pete sich noch für seinen Bogen vermessen lies. Als er und sieht lächelt er und kramt in seiner Tasche. Als wir bei ich sind sehe ich, dass er Geld rausgenommen hat und gibt es Sophie. Diese zählt nach, nickt und steckt es sich ein. Fragend gucke ich von ihm zu ihr. Daraufhin lachen beide und Sophie reicht mir die Tüte mit den Klamotten. „Wir wollen doch nicht, dass du hier wie ein Freak rumrennst oder?“ Erst jetzt bemerke ich, dass keiner normale Freizeit Klamotten anhat. Alle laufen hier in Rüstungen oder leichten Lederklamotten rum. Ich bin so überrascht, dass ich zuerst nicht weiß, was ich sagen soll. „Ähm. Oh mein Gott, das ist ja wirklich echt nett, aber ich kann euch leider kein Geld geben, ich mein wie soll ich das den zurückzahlen?“ Pete zog eine Schnute und Sophie brach in Gelächter aus. Sie winkte ab, „Lass mal, sieh’s als dein Willkommensgeschenk.“ Und ich verstand, sie wollten, dass ich hierbleibe. Bestechung. Ich musste grinsen. „Klar, danke nochmal,“ und damit war´s beschlossen. Ich würde bleiben. Wir wollten gerade meine neuen Sachen in meine Hütte bringen, als uns Guard über den Weg lief. „Hey, Guard!“ rief Pete, „Winter möchte dir was sagen“ Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, da er wusste was kommen würde. Ich sandte Pete meinen Wir-reden-später-noch-Blick zu. Er zuckte aber nur mit den Schulter, doch ich konnte sehen wie sehr er sich darauf konzentrierte nicht zu lachen. Ich wandte mich wieder Guard zu und seufzt ergeben. „Ja, also, ich hab nochmal über euer Angebot nachgedacht und würde gerne hierbleiben,“ grummelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart. „Wie bitte? Ich hab dich nicht ganz verstanden?“ Fragt Sophie. Ich stieß Luft aus. „Mein Gott, du hast genau kapiert was ich meinte,“ Guard brach in Gelächter aus. „Schon verstanden. Schön dich mit an Bord zu haben!“ Ich wurde rot und murmelte ein Dankeschön. Er zwinkerte mir zu. Dann wandte er sich an Sophie und Pete: „Ihr wisst ja was ihr machen müsst. Sie soll sich eine Waffe aussuchen und ihr werdet sie die ersten zwei Wochen mit zum Training begleiten.“ Sie nickten. Zu mir gewandt sagte er noch: „Du hast was bei mir gut, jeder hier wollte Light mal gründlich seine Meinung sagen, nur hat sich das bis jetzt noch niemand getraut, weil er so stark ist.“ Dann ging er davon. Na super. Mein Mitbewohner wollte mich wahrscheinlich umbringen. Nach dem Abendessen im Gemeinschaftshaus/Mensa/Wohnhaus von Guard und den Trainer/Missionsempfang begleiteten Pete, Sophie und Luce mich in mein neues Zuhause. Apropos mein neues Zuhause. Das Haus sollte eine Hütte sein. Eine ziemlich große Hütte. Nicht so groß, wie die Hütten der Hauptelementkrieger aber schon so groß, dass locker neun Personen darin leben konnten, obwohl es ja nur sechs Mischlinge geben konnte. Abgesehen davon war unsere „Hütte“ aus Marmor. Zwei Säulen hielten den Eingang, danach kam ein langer Gang, der dann zu einem Holz-Steg wurde und im Wasser endete. An den zwei langen Seiten dieses Ganges waren jeweils drei Türen, die in verschiedene Zimmer führten. Jedem Mischling gehörte eine Tür und das was dahinter lag. Light hatte natürlich gleich die erste Tür genommen. Links. Deswegen ist es ja wohl kein Wunder, dass ich die letzte Tür nahm. Rechts. Mein Zimmer bestand aus einem riesigen Bett, einem kleinem Badezimmer ein Schreibtisch (als ob ich den jemals wieder brauchen würde) eine Bar, in der jegliche Getränke eingelagert worden waren, und… Trommelwirbel… einem kleinem Whirlpool. Ja das ist super mega cool, aber wie kann man nur einen Whirlpool in ein Haus einbauen, das fünf Meter vom Meer entfernt ist? „Gute Nacht“, wünschte mir Pete und Sophie nickte so stark, dass ihre hellbraune Lockenmähne auf-und ab wirbelte. „Ja, gute Nacht, wir sehen uns dann morgen, ok?“ Ich lachte zustimmend. „Gute Nacht,“ wünschte ich auch ihnen. Und dann ganz sanft: „Schlaf gut,“ dann waren Luce, Sophie und Pete auch schon weg. Schlaf gut. Danke Luce. Du auch. Ich schämte mich, weil ich ihm nicht geantwortet hatte. Aber was hätte ich den sagen sollen? Ich schüttelte den Kopf und ging rein. Völlig fertig ward ich meine neuen Klamotten auf den Schreibtisch, zog mich aus und lies mich in meinen Pool sinken. Ok, vergesst alles fieses, was ich gerade über diesen Whirlpool gesagt habe, denn er ist einfach fantastisch. Ich hatte meine Fenster geöffnet, sodass die Salzige Meeresluft hineinströmen konnte. Tief atmete ich ein und legte mich zurück. Die Nacht war warm und ich schloss kurz die Augen. Als ich sie wieder öffnete sah ich Jase. Vor Schreck hätte ich beinahe aufgeschrien. Dann war er aber auch schon wieder weg. Schnell trocknete ich mich ab und wollte mich anziehen, als mir einfiel, dass ich noch gar keine Klamotten hatte. Aus Frust warf ich meine Hose gegen die Wand. Poing! Ich hielt inne. Die Wand war hohl. Ich drückte leicht gegen sie. Und sie schwang auf. Beinahe hätte ich gelacht. Hier war er also. Der Kleiderschrank, von dem ich dachte, ich hätte keinen. Und er war voll an Klamotten. Ich nahm mir eine Unterhose und ein Top. Da ich allerdings keine Ahnung hatte, wie der Schrank wieder zu ging lies ich ihn offen. Dann kroch ich ins Bett. Aus Angst vor neuen Halluzinationen zog ich die Decke über mein Gesicht und hoffte, dass mich Jasper, Jase und Jackie heute Nacht in Ruhe ließen. „Du musst dich besser konzentrieren Winter,“ Jasper hatte die Hände in die Hüften gestemmt und guckte mir aufmerksam zu. „Du musst dich konzentrieren,“ äffte ich ihn nach. Die Ohrfeige traf mich unvorbereitet. „Hab ich dir nicht gesagt, du sollst mich nicht nachäffen?“ Es kostete mich meine ganze Selbstbeherrschung ihn nicht noch einmal nach zu äffen. Es ist Frühling und wir sind im Wald. „Ich zeig es dir noch einmal und dann versuchst du es bitte noch einmal“ Oh, ein Wunder, er hat bitte gesagt. Ich nickte. Er streckte seine Hand aus, dann schloss er die Augen, an den Schweißtropfen an seiner Schläfe konnte man sehen, wie sehr er sich anstrengte. Plötzlich fing seine Hand an zu verschwimmen, dann ganz langsam verschwand das Fleisch und wurde verändert. Sein ganzer Arm verdunkelte sich und man konnte sehen, wie Abdrücke sichtbar wurden. Seine Finger wurden immer länger und langsam wuchsen ihm Blätter. Als Jasper zufrieden war öffnete er die Augen und begutachtete sein Werk. Er hatte mithilfe seines Chakras seinen ganzen rechten Arm in einen Ast verwandelt. Ich spürte, wie sich meine Augen weiteten. „Los, jetzt bist du dran,“ Ich nickte und streckte meinen Arm aus. Mit geschlossenen Augen sammelte ich mein Chi und ließ mein Chakra in meinen rechten Arm strömen. Immer mehr Chakra sammelte sich in meinem Arm . Der Druck wurde stärker. Ich konnte Jaspers Stimme hören: „Konzentrier dein Chi und stell deine gewünschte Form vor. Welche Form? Ich hatte doch noch gar keine. Dann hatte ich eine Idee. Anstatt mein Chakra auf meinen Arm zu konzentrieren, sammelte ich es nun an meinen Schulterblättern. Ich wartete bis der Druck unerträglich wurde. Ich hörte wie Jasper mich fragte, was zum Teufel ich den da machen würde. Dann lies ich los ich öffnete meine Chakratore und ließ mein Chi wie von selbst das Chakra formen. Als ich die Augen öffnete, sah ich einen völlig perplexen Jasper. Ich wusste warum, aus meinen Schulterblättern wuchsen schneeweiße Flügel aus Schnee. Ich drehte meinen Kopf um einen Blick auf sie erhaschen zu können. Ich las den Wind um herauszufinden, wann… jetzt… der richtige Moment. Mit Hilfe meines Chi öffnete ich die Flügel und schrie auf. Vor Begeisterung. Der Wind trug mich wie ein Blatt. Ich konnte den Wald unter mir sehen. An diesem Tag lachte ich das erste Mal. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Es war eineinhalb Jahre, nachdem ich bei Jasper abgesetzt wurde. Und soweit ich mich erinnern konnte, war er auch das erste Mal das er lachte. Als ich vom Wind abgesetzt wurde zersprangen auch meine Flügel, Ich war so stolz, dass ich es geschafft hatte, dass ich gar nicht bemerkte, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich eigentlich gerade war. Erst als Jasper angerannt kam, wusste ich, dass ich falsch gelandet war. Doch anstatt mich anzubrüllen nickte er mir zu. „Los, lass uns nach Hause gehen. Für heute haben wir genug trainiert.“ Nach Hause. Wie schön sich das angehört hat. Ich erwachte mit einem Lächeln auf den Lippen. Nach drei Sekunden verwandelte sich dieses Lächeln allerdings in eine Grimasse. Leon Light stand nur mit Boxer-Shorts bekleidet in meinem Zimmer. MEINEM ZIMMER. Bevor er irgendwas sagen konnte war ich schon aufgesprungen und ihm so fest es ging eine Ohrfeige verpasst. „Was zu Teufel machst du in meinem Zimmer. Verschwinde sofort. Los raus hier!“ „Guard möchte mit dir sprechen,“ antwortete er mir, die Ohrfeige schien ihm nichts ausgemacht zu haben. Schade eigentlich. „Ach, und das konntest du mir nicht erst beim Frühstück sagen, oder? Du perverses Schwein?“ Ok, zugegeben, das war ein bisschen hart. Aber wie würdet ihr reagieren, wenn ein halbnackter, wildfremder Bursche morgens in eurem Zimmer auftaucht und ihr nur mit einem Top und einer Unterhose bekleidet? Ihm schien das ganze jetzt auch aufzufallen. Ein anzügliches Grinsen erschien auf seinem Gesicht.. „Ach, stimmt ja, ich hab dich ja noch gar nicht dafür bestraft, dass du mich so bloß gestellt hast.“ Diese Worte trafen mich härter als der härteste Schlag. „Raus!“ meine Stimme zitterte. „Los raus jetzt“ Er kam einen Schritt näher. „Sonst was?“ Ich wusste nicht was ich sagen, geschweige denn tun, sollte. Er war jetzt so nah bei mir, ich konnte jede einzelne Wimper erkennen. Wie erstarrt stand ich da, langsam fuhr seine Hand über meine Schulter, an meinen Armen hinunter bis zu meiner Taille. „Wenn dir mal ein perverser Idiot über den Weg läuft, dann sag mir bescheid, ok?“ Jases Stimme. Lights Finger zogen an der Saite meines Slips. „Ach was, Winter, so wie ich dich kenne haust du ihm gleich eine in die Eier, stimmt’s?“ Jackie hatte damals gezwinkert, als sie mir das sagt. Langsam zog er sein Knie hoch, zwischen meine Beine. Ja, dachte. „Ja, ja genau“ wisperte ich. Die Starre löste sich von mir, ich schlug seine Hand weg und holte selbst soweit wie möglich aus. Er schien sich denken zu können was ich vorhatte den er wich mir aus. Ich konnte das herausfordernde Aufblitzen in seinen Augen sehen und ging darauf ein. Ich nahm mir den Wind zu Hilfe und das Wasser im Whirlpool. Ich war klar im Vorteil, Feuer und Erde gab es in meinem Zimmer nämlich so gut wie gar nicht. Außer er konnte sich aus der Orchidee an meinem Fenster eine Waffe basteln. Er schien sich das Selbe zu denken. Trotzdem gab er nicht auf, an seinen Augen konnte ich sehen, dass er mit Körperkraft angreifen würde. Dann griff er an. Ich hätte nie gedacht, dass er so schnell ist. Seine Hand schoss vor, doch ich blockte sie ab . Tauchte unter, um ihm dann meinen Ellbogen ins Kinn zu rammen. Er gab ein mitleiderregendes Stöhnen von sich, doch ich ignorierte es. Ich muss ganz ehrlich sein, die Tatsache, dass er unbemerkt in mein Zimmer gekommen war, regte mich mehr auf als seine perversen Annäherungsversuche. Light umfasste mein Handgelenk und warf mich über seinen Rücken auf mein Bett. Ich versuchte aufzustehen, aber er war schon über mir. Zu meiner Verteidigung, er hat den Kampf angefangen. So fest ich konnte trat ich ihm dahin wo´s einem Mann wehtut. Er klappte zusammen wie ein kaputter Wäschehalter. Das einzige Problem war, er fiel genau auf mich. Tja, gelinde gesagt, ich hatte ihn zwar k.o. geschlagen, aber er hatte mich da wo er mich haben wollte. Unter ihm. Er dachte gerade das Gleiche. Ich knirschte die Zähne, als er kicherte, es hörte sich zwar eher als ein Wimmern an, aber ich konnte seine Augen sehen und die sagten nun wirklich nicht, dass es ihm nicht gefiel. Und plötzlich mussten wir beide Lachen. Naja, wie gesagt er wimmerte eher, was mich noch viel mehr zum Lachen brachte. „Los, du Perverser, runter von mir!“ Er rollte sich tatsächlich runter von mir. „Raus mit der Sprache, was wollte Guard von mir?“ Schlagartig wurde er wieder ernst. „Wir sollen sofort ins Haupthaus kommen, er meint er braucht uns beide.“ Was er damit meinte war sonnenklar. Er wollte mit den beiden Mischlingen reden. „Na dann, raus ich muss mich noch duschen,“ ich guckte ihn an und konnte es mir einfach nicht verbeißen: „du dich übrigens auch!“ Ein freches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Wieso duschen wir uns denn nicht zusammen? Ich könnte dir den Rücken einseifen.“ Böse starre ich ihn an. „Du kannst mich mal,“ grummele ich und rutsche vom Bett. Light lacht leise. „Immer gerne.“ Ich zeig ihm den Vogel und dann auf die Tür. „Husch ins Körbchen.“ Noch bevor er irgendeine weitere Bemerkung einfallen lassen kann, zog ich ihn an seinen Füßen raus auf den Gang. Kurz bevor ich die Tür schloss sagte er noch: „In einer halben Stunde vor dem Haupthaus, sei pünktlich.“ Muss er grad sagen. Ich liege schließlich nicht nur mit Unterwäsche bekleidet auf dem Boden.

12.12.13 19:41, kommentieren

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kapitel 1

Ewige und Führer Winter: Ich rannte, ich hörte nicht auf zu rennen. Erst als ich mir sicher war, dass mir keiner mehr folgte presste ich mich an einen Baum um wieder Luft zu holen. Tief atmete ich ein. Ein und aus, ein und aus. Vorsichtig guckte ich um den Stamm herum. Das Holz war feucht. Keiner da. Ich stieß die Luft aus. Langsam wich ich zurück. Noch einmal guckte ich mich verstohlen um, dann rannte ich weiter. Tränen rannen mir inzwischen über die Wangen. Wieso? Wieso musste das passieren? Ein Schluchzen entfuhr mir und mit einem Mal blieb ich stehen. Ich fiel zusammen, wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte. Dann konnte ich mich nicht mehr halten. Ich weinte und ließ mich gehen. Mein ganzer Körper zitterte. Wieso? Ich konnte an nichts Anderes mehr denken. Wieso? Wieso mussten sie sterben? Wieso hat er mich beschützt? Womit hatte ich das verdient. Womit hatte ER das verdient. Die grausamen Bilder hingen mir immer noch nach. Die Menschen, wie sie in das Dorf stürmten, „Wo ist sie?? Wo ist das Mädchen?“ Konnte man sie nachdem was sie getan hatten überhaupt noch Menschen nennen? Sie ließen ihnen keine Zeit zum Antworten. Sie stießen sie nieder, stachen zu, schlachteten sie ab. Die Schreie der Dorfbewohner hörte man im ganzen Tal. Jasper, ein alter Mann, ich hatte bei ihm gewohnt, er hat mir mein halbes Wissen beigebracht, er packte mich an den Schultern: „Lauf, lauf soweit du kannst, schau nicht zurück, niemals! Verstanden?“ Er küsste mich auf meinen Scheitel. Lächelte, oder versuchte es zumindest. Dann gab er mir einen Stoß und nickte in Richtung Wald. Ich rannte los. Seine Worte hallten in meinem Kopf nach. Nicht zurück gucken. Nicht! Ich guckte zurück. Das blutige Schwert hoch erhoben, der alte Mann auf den Boden. Unsere Blicke trafen sich. Er weinte nicht, er bettelte nicht, er lag nur da. Lächelte, dann schloss er die Augen. Das Schwert zischte nieder. Ich drehte mich weg. Wieso? Der Schrei eines Vogels holte mich zurück in die Realität. Die erbarmungslose, grausame Realität. Ich schniefte, rieb mir die Tränen aus den Augen. Wieder hörte ich Jaspers Stimme. „Lauf soweit du kannst“ Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Noch ein letztes Mal guckte ich zurück. Inzwischen stieg Rauch aus der Richtung des Dorfes auf. Das Johlen der Banditen, es hatte sich entfernt. Langsam drehte ich mich um. Dann rannte ich los. Weg von diesem Albtraum. Das war vor fünf Jahren. In diesen fünf Jahren hab ich mich radikal verändert. In diesen fünf Jahren schwor ich nie wieder weg zu laufen. Ich schwor, dass egal wer es war, egal was es war, sollte noch einmal jemand einen Freund von mir angreifen. Ich würde ihn rächen. In diesen fünf Jahren wurde ich von einem Waisenhaus aufgenommen. Der Polizei erzählte ich nichts. Wer würde mir glauben? Einem 11-jährigen, völlig aufgelösten Mädchen, das von Schwertern und Banditen erzählte? Wir lebten doch schließlich im 21-Jahrhundert, dass sagte Jase immer. Aber ja, es würde mir nun mal niemand glauben. Ich passte mich an. Anpassung ist der Schlüssel zum Überleben. Wer hatte das noch gleich gesagt? Ich wusste es mal. Jasper hatte es mir mal gesagt. Jetzt weiß ich es nicht mehr. Jetzt, fünf Jahre später bin ich 16. Ich wohne im Spring-house, in Florida. Miami. Zusammen mit etwa 280 anderen Kindern. Nicht gerade angenehm aber ich fühl mich hier zu hause. „Winter? Winter? Hey beeil dich, sonst kommen wir zu spät zum Mittagessen!“ Ich schreckte auf. Jackie, meine beste und einzige Freundin hier, hämmerte wie eine Verrückte an die Tür. „Ja, ja ICH KOMM JA SCHON!“ Das Klopfen war zu einem dröhnenden Hämmern angestiegen. Ich öffne die Tür. Da stand sie. Ein freches Grinsen auf dem Gesicht. „Haha, sehr lustig,“ maulte ich, nachdem sie in Gelächter ausbrach als sie meine Gewittermiene sah. „los, komm,“ sie zog mich mit und ich stolperte fast, als wir die Treppe runter rasten. Erst vor der Mensaschlange blieb sie stehen. „Puh, ich dacht schon,“ keuchte sie während ich nur die Augen verdrehen konnte. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Ach, reg dich ab Winter, oder hab ich dich gerade bei etwas gestört?“ Selbst wenn, sie würde es nie erfahren, denn in diesem Moment kam Jase angerannt. „Moin, was geht ihr Weibsen?“ Jase, mein bester und einziger Freund hier. „Moin Jase,“ antworteten wir ihm wie aus einem Munde. Jase kam aus Norddeutschland. Deswegen dieser Gruß. „Und was gibt’s zu futtern?“Die Frage war an uns gerichtet. Aber Margot, die Küchendame, antwortete ihm. „Geschnetzeltes mit Reis und Salat“ Die ganze Mensa stöhnte auf. Margot ist eine sehr gute Köchin, aber ihr Geschnetzeltes erinnerte einen mehr an einen halb lebendigen Regenwurm, der seine letzten Tage in der Satteltasche eines Haflingers verbracht hatte und mit einer Nagelschere zubereitet wurde. Versteht das nicht falsch, manchen schmeckte es trotzdem. Naja, mir jedenfalls nicht wirklich. Ich schnappte mir schnell eine Schüssel Salat, dann rannte ich quer durch die Mensa und hechtete auf die Bank, bevor der nächste Schwall Kinder hinein getrampelt kam. Jase und Jackie ließen sich mir gegenüber auf die Bank fallen. Die zwei Geschwister guckten sich an, dann mich. „WAS?“ die Frage, die ich zwischen zwei Häufchen, oder besser, Haufen, Salat hindurch stoße hörte sich eher nach einem „WOHASGRG?“ an. Ihre Mundwinkel zuckten. Dann wurden sie wieder ernst. „Du solltest wirklich mehr essen. Du bist eh schon so spindeldürr, wenn du dich nur von Grünzeug ernährst, dann…“ Jase beendete den Satz: „Wirst du irgendwann eingehen.“ Tja, manchmal hatte ich das Gefühl sie hätten Zwillingstelepathie. Ich seufzte. „Ja, ja schon klar. Wollen wir ins Kino gehen? Wir haben jetzt doch Ferien!“ Sie sprangen sofort darauf an. „Ja Kino wär super“ Innerlich grinste ich, mein Themawechsel ist unschlagbar. Klar war das Ironie. Wir stellten unsere Tablette weg und machten uns auf den Weg. „Midnight in Paris“, Jackie hatte uns so lange genervt, bis wir ihr freiwillig zugestimmt hatten den Film zu gucken. Auf dem Weg ins Kino redeten wir fast nicht da jeder seinen eigenen Gedanken hinterher hing. Er lachte als mir der Fisch ins Gesicht sprang. „Nein nicht so Winter,“ Jasper zeigte mir schon seit mehreren Tagen wie man richtig fischt. „Wieso kann ich es nicht auf meine Art und Weise machen?“ beschwerte ich mich. Ein kleines Lächel umspielte seine Lippen. „Weil du dabei nass wirst,“ war alles was er mir antwortete. Ich verzog das Gesicht und setzte mich wieder hin, das Messer in der Hand. Ein Kunai, so hatte Jasper es genannt. Tief atmete ich durch, öffnete die Augen und lies das Kunai mit einer schnellen Handbewegung über den Bach zischen. Genau in diesem Moment schoss eine Forelle aus dem Wasser, sie wurde vom Messer erwischte und fand sich mit dem Kunai am Baum aufgespießt wieder. „Ha!“ Ich hatte es geschafft, auch wenn ich geschummelt hatte. Aber das war ja auch Sinn der Sache. „Gut gemacht! War es schwer?“ Jasper guckte mich prüfend an. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich konnte spüren wie er mit der Strömung schwamm, als er aus dem Wasser geschossen kam wusste ich das ich das Kunai werfen musste;“ er nickte. Meine Freude über sein Lob wollte ich ihm nicht zeigen. Er hat mich gelehrt niemals öffentlich Gefühle zu zeigen. Trotzdem, ein Lob aus seinem Mund war so selten wie ein Diamant im Misthaufen. „Hast du deine Augen benutzt?“ Ich wusste was er damit meinte. Es gefiel mir nicht, aber ich log ihn an und schüttelte den Kopf. Meine Eltern haben mich reich beschenkt, nicht an Spielsachen, aber an Fähigkeiten. Mein Vater war, oder ist, ein Windkrieger und meine Mutter war eine Wasserkriegerin. Ich kannte weder Ihn noch Sie. Sie hatten mich hiergelassen, im Stich gelassen. Ich schluckte. Ich weiß dass man nichts vermissen kann, was man nicht kennt. Deswegen machte mir das nicht viel aus, aber die Tatsache, dass icheigentlich verboten war, gemieden, ein Monster in den Augen anderer, machte mich wütend auf sie. Natürlich wurde ich nicht ausgesetzt, trotzdem spürte ich, dass sie mich nicht mochten. Sie wussten, dass die Clankrieger nur untereinander Affären haben durften, jedoch nicht mit den Leuten aus einem anderen Clan. Wasser, Feuer, Erde, Wind. Die vier Stämme oder Clans. Mein Vater und meine Mutter kamen aus verschiedenen Stämmen. Sie zeugten mich. Ein Mischling. In mir waren die Fähigkeiten meiner Eltern vereint, Wasser und Wind. Ich konnte beide Elemente meistern und sogar ein drittes heraus ableiten. Eis. Aber nicht nur das. Meine Augen, mein Vater und meine Mutter kamen aus den „Schnellen“ Clans. Wasser und Wind, sie sind nicht so stark wie Erde und Feuer, aber schneller, viel schneller. Sie konnten sich schneller bewegen und sahen alle Einzelheiten. Meine Eltern machten mir somit ein noch viel größeres Geschenk. Wenn ich mich konzentrierte konnte ich die Zeit um mich herum beeinflussen. Materie und Imaginäres, ich konnte die Zeit von ihnen verlangsamen und beschleunigen. Jasper sagt das ist einmalig. Er selbst ist Erdkrieger, ein verbannter Erdkrieger. Einer der Gründe warum er mich überhaupt trainierte. Was er mich trainiert? Gute Frage, den Umgang mit meinen Fähigkeiten, bis jetzt schaff ich es gerade mal eine Eisrose aus dem Nichts zu zaubern, die Luft- und Wasserstömungen zu lesen und Wasser zu Eis gefrieren lassen. Davon aber auch nur ein paar Zentimeter. Dar wohl bedeutungsvollste was ich je geschafft habe war Jasper für 30 Sekunden schweben zu lassen, danach bin ich vor Erschöpfung zusammen gebrochen. Aber ok, ich bin ja erst acht. Was meine Augen angeht. Jasper sagte ich soll dies am meisten trainieren, das mich ich auch, aber heimlich. Ich war mir damals nicht sicher ob ich ihm trauen durfte. Jetzt weiß ich, dass ich es getan hätte. Den Clans machte meine Anwesenheit nichts aus. Sie wollten jedoch meine Eltern für diese Untat bestrafen. Jasper sagte mir das war der Grund weshalb sie mich verlassen hätten, sie wollten mich nicht in Gefahr bringen. Trotzdem. Wenn es den Clans nichts ausmachte, dass ich ein Mischling bin, wieso musste ich dann in Sicherheit gebracht werden? „Winter? Hallo? Erde an Winter? Hallo?!“ ich schlug die Augen auf. „Sorry,“ wir sind im Kino angekommen. „Also,“ ich wollte Jase und Jackie von mir ablenken, „gibt’s noch Karten?“ Jase grinste. Jackie nickte und wedelte mit drei Tickets vor meinem Gesicht rum. „Mein Gott Sirena Winter, kannst du dich mal auf uns konzentrieren?“ Jackie wirkte genervt, ich kann es ihr nicht verübeln, ich schlage vor ins Kino zu gehen und alles was ich mach ist vor mich hinstarren. Abgesehen davon hatte sie das erste Mal seit Monaten wieder meinen vollständigen Namen benutzt. Das war nicht gut. Jase schaltete sich ein: „ Reg dich ab Schwesterherz. Wie wär es wenn wir noch Popcorn holen und uns dann mal Richtung Kinosaal bewegen, hm?“ Ich warf Jase meinen Danke-du-hast-mir-gerade-das-Leben-gerettet-Blick zu, worauf er mir seinen Ich-hab-was-bei-dir-gut-Blick antwortete. Meine Mundwinkel zuckten unwillkürlich nach oben und ich musste grinsen. Wir schlenderten zum Popcornstand und stellten uns in die Warteschlange als Jackie mir ihren Ellenbogen in die Rippen rammte: „Ullala, heißer Typ mit Freund auf neun Uhr,“ Ich hätte beinahe losgelacht, ja, ich wusste es sie, konnte nicht lange auf mich sauer sein. Unauffällig drehten wir uns um. Yes, definitiv heiß. Schon die „Freunde von dem Typen“ sahen umwerfend aus aber nichts im Vergleich zu IHM. Sandfarbene Haare, schlank, groß und was nur ich erkennen kann, strahlend grüne Augen. Ungewollt zog ich die Luft ein. Natürlich musste er sich genau in diesen Moment umdrehen. Seine Augen huschen suchend durch die Menge, als er mich sah bemerkte auch nur ich wie seine Augen sich weiten und er mir ein strahlendes Lächeln schenkte. „Ullala,“ machte es neben mir, wieder. Ok, vielleicht war ich doch nicht die Einzige die es mitgekriegt hat. Jackie grinste mich an: „Da hast du jemanden aber schöne Augen gemacht;“ neckte sie mich und ich konnte fühlen wie ich rot werden. „Lass uns gehen,“ murmelte ich. Immer noch hochrot. Jase, der uns beobachtet hatte, nickte, aber ich konnte sehen, wie auch er sich abmüht sein Grinsen zu verstecken. „Wahrscheinlich hat er sich schon in dich verliebt…mit deinem wunderschönen Haar und deinen strahlenden Augen und…“ „Ach halt doch die Klappe!“ lachte ich und boxte Jackie leicht auf die Schultern. „Aber sie hat Recht, du hast wunderschöne Haare und..“ „Jase!“ Ich wollte vorwurfsvoll klingen. Es ging daneben. Die beiden kringelten sich vor Lachen. Trotzt allem, ich hatte nun mal auffällige Haare, so weiß wie der Winter. Deshalb redeten mich auch immer alle mit meinem Nachnamen an. Sogar Jasper hatte es gemacht. Was meine Augen angeht. Sie sind blau, ein sehr strahlendes Blau. Jackie hat mal gesagt sie sehen so aus als würde Wasser mit Wind und Schnee in der Nacht tanzen. Damals, es war meine erste Woche im Waisenhaus, bin ich fast umgefallen, ich dachte sie würde etwas über mich wissen. Aber anscheinend lag ich da falsch. Ich zog die Beiden also in den Kinosaal und hoffte, dass ich diesen Typen nie wieder begegnen würde. Erst als wir auf unseren Plätzen saßen regten sich die Zwei wieder ab. Und als der Film losging sind sie wieder ganz die Alten, ich hingegen driftete schon wieder ab. Während der Film lief wanderten meine Gedanken wieder, ich weiß noch wie ich in das Waisenhaus kam. Ich trainierte heimlich weiter, immer wieder, ich tat mein bestes um mich weiterzuentwickeln. Trotzdem ohne Jasper war es nicht dasselbe. Ich hätte es mir nie eingestanden, aber ich vermisste seine ruppigen Antworten und das Lachen, auch wenn er mich meist ausgelacht hat. Der typische Erdkrieger eben. Aber er war auch schlau und selbstlos, was sein letzterer Akt ja eindeutig bewiesen hatte. Er…. Es passierte so schnell, wäre ich mit den Gendanken nicht woanders gewesen hätte ich es kommen sehen. Hätte ich die Luftströmungen gecheckt hätte ich gewusst das etwas nicht stimmt. Aber ich hatte es nicht getan und so trifft mich das genauso unvorbereitet wie die Anderen. Jackie schrie auf, ich wirbelte herum, die Hände erhoben, Kampfstellung, Jasper hat es mir beigebracht. Ich verließ mich ganz auf meine Augen und „las“ die Luft. Eins, zwei, drei, sechs, acht, fünfzehn, nein, achtzehn. Achtzehn Angreifer. Einer kam direkt auf mich zugerannt ich machte mich bereit. Er sprang, zog gleichzeitig sein Bein an, um es nun in mich rein zu kicken. Doch ich war vorbereitet. Mit meinem rechten Arm wehrte ich den Kick ab, gleichzeitig schlug ich mithilfe der linken Hand ein Rad. Das ist schwerer als es sich anhört. Aber es lohnte sich. Mein rechtes Bein traf mit Schwung seinen Solarplexus. Ich konnte sein Keuchen bis hier hin hören. Ich schlug ihm meine rechte Faust ins Gesicht. In meinem Kopf konnte ich meine eigene Stimme hören: „Wenn jemand es wagen sollte meinen Freunden etwas anzutun räche ich sie. Nie wieder weg laufen.“ Das war ein Schwur ich hatte es mir selbst geschworen und ich werde mich daran halten. Den Anderen rief ich jedoch zu, sie sollen verschwinden. Sofort! Sie hörten nicht, bis ich verstand, dass ich auch noch gar nichts gesagt habe. „Raus! Sofort alle raus!“ Die Kinobesucherlösten sich aus ihrer Starre, überlegten nicht lange und stürmten laut kreischend aus dem Saal. Nur Jackie und Jase sind noch hier. „Los, los ihr zwei raus hier. Macht schon!“ Aber Jackie stand nur wie angewurzelt da. Ich schaue mich suchend nach Jase um und entdeckte ihn auf dem Boden. Blutend. Ich fing an zu zittern. Déjà-vu. Schweiß lies mein Top an meine Haut kleben. Ich merkte nicht mal wie mein Gegner wieder aufstand und auf mich zu rannte. Déjà-vu, hallte es in meinem Kopf. Pock! Kurz vor mir blieb mein Gegner stehen. Seine Augen weiteten sich. Dann hustete er. Blut kam aus seinem Mund. Steif wie ein Brett fiel er zu Boden. Klonk! Mein Blick wanderte von dem wie tot daliegenden Jase zu dem Toten vor mir auf dem Boden, weiter zur Tür, in der Mr. Grüne Augen persönlich stand. Seine Zwei Freunde standen hinter ihm. Ich starrte sie an, dann bemerkte ich eine Bewegung aus dem Augenwinkeln, einer der Angreifer von vorhin stürzte sich mit übermenschlicher Geschwindigkeit auf Jackie, die immer noch bewegungsunfähig an ihrem Platz stand. Ich tat was mir einfiel. Und schrie. „Du darfst es nicht erzwingen,“ es war Winter. Ich schaute Jasper genervt an. Er stand in dicker Jacke und Schneehose da. Ich in Schlafanzughose und Top. Mir war nicht kalt. Im Gegensatz, ich fühlte mich warm, geborgen wäre das richtige Wort. „Versuch es noch einmal,“ forderte er mich auf. „Du musst dir das was du haben möchtest vorstellen. Erst wenn du das fertige perfekte Bild vor Augen hast musst du die Kraft in deine Finger fließen lassen. Das nennen wir Chakra, weißt du? Das Chakra bildet ein Netzwerk in deinem ganzen Körper. Für uns Krieger ist Chakra so wichtig wie Blut. Mit genug Konzentration, Ausdauer und vor allem Willensstärke, zusammen nennen wir das Chi, kannst du dein Chakra außerhalb deines Körpers formen. Das Chi bezeichnet man auch als dein Geist und deine Seele. Wenn du es also schaffen solltest dein Chakra somit außerhalb deines Körpers sichtbar zu machen, wird es zu deiner Aura. Es gibt die verschiedensten Aurafarben. Abgesehen von der Farbe hat auch jede ihren eigenen Geruch. Sieh her!“ Jasper streckte seine Hand aus, helles Grün sammelte sich in seiner Hand, wie Dunst. „Wenn du dir nun deine Form überlegt hast formst du dein Chakra,“ der grüne Nebel verdichtete sich und plötzlich roch es intensiv nach Fichtennadeln. Der Nebel würde immer dichter und dichter, schließlich lag in seiner Hand ein Kunai, es schimmerte grünlich. „Wow“, unwillkürlich glitt mir der Laut über die Lippen. Aber anstatt mich dafür zu schimpfen, Gefühle gezeigt zu haben, tätschelte er mir den Kopf. „Versuch es nur weiter, es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, oder?“ Das waren die wohl nettesten Worte die er jemals zu mir gesagt hatte. Ich werde sie befolgen. Ich konnte keine Umrisse erkennen, aber Farben, mehrere Farben. Silber, weiß, mehrere Blau töne und sogar ein Hauch Schwarz. Ich schrie nicht mehr, zumindest glaubte ich das, ich hörte gar nichts mehr, oder doch? Meeres Rauschen, Möwen kreischten und es fühlte sich an als würde eine kühle Brise über mein Gesicht wehen. Mir wurde klar, dass ich mich in einer Art Ruhzustand befinde. Ich öffnete die Augen und mir stockte der Atem. Die Idylle verschwand. Der Kinosaal hatte sich in ein eine Schnee und Eislandschaft verwandelt. Unsere Angreifer waren größtenteils auf riesigen Eiszapfen aufgespießt. Das rote Blut gab einen starken Kontrast und tropfte auf das Weiß. Wieder hörte ich Jaspers Stimme in meinem Kopf: „Chakra ist für Krieger so wichtig wie Blut, verbrauche also niemals alles auf einmal“. Zu spät, dachte ich noch. Dann spürte ich wie ich fiel. Das Letzte was ich sah ist, wie Mr. Grün Auge quer durch den Saal auf mich zu hechtete, um mich aufzufangen. Ich öffnete meine Augen. „Na, wieder wach?“ Mr. Grün Auge stand neben meinen Bett und….. Momentmal….. Mit einem Ruck setzte ich mich auf. Ein stechender Schmerz fuhr mir in die Rippen, sodass ich Widerwillen auf keuchte. „Hey, immer langsam!“ Mr. Grün Auge drückte mich sanft zurück in das Bett. Seine Augen schätzten mich besorgt ab. „Du bist in Sicherheit, aber ganz sicher nicht in der Verfassung schon aufzustehen.“ Als er meinen fragenden Blick bemerkte seufzte er. „Wir sind in unserem Trainigscamp, das was du da Vorgestern im Kino abgezogen hast war ne echt krasse Sache, du hast viel zu viel Chakra verbraucht. Das heißt du musst dich erst mal ausruhen. Ich bin übrigens Leon. Leon Light. Aber jeder nennt mich Light. Und du?“ Ich starrte ihn an. „Vo-vo- Vorgestern?“ wisperte ich. Mein Hals war so verdammt trocken. Wie lange hatte ich nichts mehr getrunken? „Oh, ja, tut mir leid, aber wir durften sich nicht aufwecken, Guard hat es uns verboten.“ Wer zum Teufel war Guard? „Er sagt du hättest sterben können, ich mein, du hast den ganzen Kinosaal in ne Eisbude verwandelt, und damit mein ich nicht eine in der man welches kaufen kann. Wo hast du gelernt so dein Chakra einzusetzen. Du bist ein….“ Er verstummte und ich starrte ihn herausfordernd an. Dann nickte ich. „Ja, du kannst ruhig Mischling sagen,“ erklärte ich ihm ruhig. Selbstverleugnung ist die schlimmste Art von Lügen, das hatte mir Jasper beigebracht. Ein Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus. „Cool, Wasser und Wind, nicht wahr, das würde erklären warum du auch Eis formen kannst. Ich bin auch einer, weißt du? Erde und Feuer, das ergibt Lava.“ Die Art und Weise wie er es mir sagte, ich wusste nicht ob er lügte oder nicht. Er war mir unsympathisch, abgesehen davon kam er mir wie ein Perversling vor, schließlich saß er auf meinem Bett und hatte eine Hand auf meinem Bein. Wieso fand ich Ihn im Kino noch gleich so toll? Ich machte also das Nächstliegende und drehte mich auf die Seite, sodass er mein Gesicht nicht sehen konnte. Dann fiel mir ein: „Was ist mit Jase und Jackie passiert?“ Ich hatte ein schlechtes Gewissen, sie sind meine einzigen Freunde und ich hatte mich noch nicht nach ihnen erkundigt. Leon Light schwieg. Ich erstarrte innerlich und drehte mich wieder um. Leise sagte er: „Der Junge war schon tot, bevor wir überhaupt ankamen, das Mädchen, Jackie, wie du sie genannt hast, sie ist vor zwei Stunden im öffentlichen Krankenhaus während einer Hirn-OP gestorben. Tut mir leid.“ Mit diesen Worten stand er auf und lies mich allein. Allein mit meinen Gefühlen. Alleine mit einem weiteren Déjà-vu. „Du hast versagt,“ Klar und deutlich hörte ich ihre Stimmen. Jasper. Jackie. Jase. Der Vorwurf darin konnte man nicht überhören. Der Hass. Die Enttäuschung, dass ich nicht mal mein eigenes Versprechen halten konnte. Das sie tot sind. Wieso? Ganz einfach. Weil es meine Schuld war. „Du bist in unserem Trainingscamp“. Keine Ahnung wo ich wirklich war. Nachdem Leon gegangen ist ging ich auch, war dunkel geworden. Der Mond war hinausgekommen, er hatte seine Freunde dabei. Meine Freunde. Mond und Sterne. Man konnte sich immer auf sie verlassen. Auch wenn sie von Wolken verdeckt waren. Sie waren immer da. Bevor man mich zu Jasper brachte, nach dem Überfall, vor dem Waisenhaus. Und jetzt. Ich guckte mich nicht um. Wie automatisch bewegten sich meine Füße. Mir war nicht kalt. Es war nicht allzu dunkel, trotzdem wusste ich nicht wo ich hinlief. Ich machte mir nicht die Mühe meine Augen zu nutzten. Das Wasser rief mich, der Wind trug mich und die Sterne führten mich zu ihm. Allein der Mond wachte über mich. Durch ein Wäldchen. Auf einen Steg zu einem See. Nein. Warte. Das war kein See. Das war die See. Das Meer. Ein trauriges Lächeln huschte über meine Lippen. Ich lies mich nieder. Erschöpft. Dann kamen sie. Meine Sicht verschwamm. Langsam rollten sie meine Wangen runter. Ich weinte still und leise. Die Arme um meine Beine geschlungen, das Gesicht im Ellenbogen vergraben. „Im Mondlicht sehen deine Haare wie flüssiges Silber aus,“ Jackies Stimme. „Wow, selbst wenn du weinst bist du wunderschön“ Jases Stimme. Beide kamen damals zu mir, als ich alleine auf dem Balkon weinte. Es war mein erster Tag im Waisenhaus. „Ich kann deine Eltern nicht verstehen, wie sie dir das antun konnten. Aber der Name, Winter, er passt zu dir. Du bist der Winter der alles mit einer weichen, weißen Decke zudeckt, du bist genauso einfühlsam und hell. Genau wie der Mond und die Sterne.,“ Jaspers Stimme. Ein Schluchzen entfährt mir. Ich war unfähig mich zu bewegen. Dann kam die Angst. „Du hast meinen Bruder sterben lassen,“ Jackies Stimme. Hasserfüllt. „Du hast es nicht geschafft meine Schwerster zu retten,“ Jases Stimme. Enttäuscht. Verletzt. „Du schaffst es ja nicht mal deine Freunde zu retten. Genauso wie du mich nicht retten konntest. Was kannst du eigentlich?“ Jaspers Stimme. Vorwurfsvoll. Meine Hände wanderten zu meinem Kopf. „Stop!“ flüsterte ich. „Du hast ihn sterben lassen! Du Mörderin! Mörderin!“ Jackie. Ich konnte nicht mehr. Inzwischen hielt ich mir meine Ohren zu. Meine Hände hatten sich in meinen Haaren verhakt. Aber was brachte das? „Stop! Hört auf!“ „Du bist nicht besser als die Anderen die uns Angegriffen haben! Mörderin! Du wolltest uns doch alle schützen, oder? Lügnerin!“ wieder Jase. „Haltet den Mund! Hört auf! Bitte!“ Ich schluchzte nur noch. Ich lag auf dem Steg. „Bitte. Bitte, hört auf.“ Plötzlich umfassten mich Hände. Warme Hände. „Hey, alles ok. Du bist in Sicherheit. Du bildest dir das alles nur ein.“ Er nahm mich in den Arm. „Alles ok. Schlaf jetzt ein bisschen.“ Er wiegte mich hin und her. Langsam entspannten sich meine Muskeln wieder, tief atmete ich ein und aus. Ich ignorierte die Tatsache, dass ich Light so gut wie gar nicht kannte, ignorierte die Tatsache, dass er wie ein idiotischer Perversling rüberkam und schloss die Augen und lies mich in den schützenden Schlaf sinken. „Sie hat einen Nervenzusammenbruch erlitten. Ich glaube das mit ihren Freunden hat sie hart getroffen.“ Watte umgab meine Ohren. Es dauerte eine Zeit bis ich wieder klar hören konnte. „Die Arme, trotzdem, Light, bist du sicher, dass sie eine ist?“ „Ja, mein Gott, Guard, sie hat einen ganzen Saal vereist. VerEIST. Kein anderer kann Eis als sein Chakraelement benutzen. Das ist genau wie mit meiner Lava. Du kannst ja Luke und Meeko fragen, sie waren dabei, als wir sie abgeholt haben. Du hättest es sehen müssen. Riesige Eiszapfen. Wie Stalagmiten und Stalaktiten. Sie hat die von der Black Parade einfach aufgespießt.“ „Wie bitte? Sie hat einen ganzen Saal vereist?“ „Ja, das will ich dir doch die ganze Zeit sagen. Außerdem hat ihre Aura mehrere Farben und….“ „Mehrere Farben? Ist das überhaupt möglich?“ „Ja, anscheinend,“ Für einen kurzen Moment ist es still. „Ich frag mich wo sie das gelernt hat, ihr Chakra so vielfältig einzusetzen, es ist fast so als hätte sie das Form-Chakra,“ „Was ist das?“ Guard wollte ihm anscheinen gerade antworten, als Light ihn unterbrach: „Meeko, Luce, was geht ab?“ „Meeko, Luce, schön euch zu sehen, Light und ich haben gerade über unseren Neuzulauf gesprochen.“ Ich musste mich beherrschen um nicht die Augen aufzuschlagen. Neuzulauf, ja? Was soll das denn bitte heißen. Luce fragte sich anscheinend das Selbe.„Will sie denn hier bleiben?“ Stille trat ein. Ich öffnete die Augen und setzte mich auf. „Nein, sie will nicht hierbleiben,“ antwortete ich für mich selbst. Oh Gott, mir war speiübel. In ihren Mienen konnte ich unterschiedliche Gefühle erkennen. Überraschung, Gleichmut, Traurigkeit, Mitleid und überraschenderweise, Wut. „Was meinst du damit, du bleibst nicht?“ es war Meeko der mich das fragte. Ich wusste nicht wieso aber er war anscheinend wütend über meine Entscheidung. Ich starrte ihn an. Wieso war er wütend auf mich? „Ganz einfach,“ erklärte ich ihm so ruhig, dass ich mir sogar selbst Angst mache, „ Ich will nichts mit euch zu tun haben, wegen dieser ganzen Kriegergeschichte sind meine besten Freunde gestorben, damit mein ich nicht nur die Zwei von vorgestern, oder wann immer der Kinounfall war. Ich hab die Schnauze voll davon Leute die ich mag sterben zu sehen.“ Ich war von mir selbst überrascht wie kalt das klang. Emotionslos. Doch innerlich spürte ich wie meine Tränen wieder hochkamen. Nein! Nicht weinen Sirena! Was war los mit mir? „Du solltest dir das wirklich noch mal überlegen.. ähm..“ Guard war zwischen uns gegangen, kam aber ins Stolpern, da er meinen Namen nicht wusste. Hilfesuchen schaute er Light an. Der guckte mich an. Ich drehte mich zur Tür um, nicht um zu gehen, sondern, weil ich jemanden spüren konnte. Ein Mädchen, ungefähr mein Alter, etwas älter, kam die Tür rein. „Ach hier seid..“ Sie sah mich und stockte. Ihr Blick sprang von mir zu Light und zurück zu mir. Ich konnte die Luftströmung lesen, die mir sagte, dass er den Kopf schüttelte. Waren sie zusammen? War das Erste was ich mich frage. Die Zweite, wieso fragte ich mich das überhaupt? „Die Neue?“ fragte sie mich. Ich erlaubte mir ein kurzes, möglichst arrogantes, Lächeln. „Ich bin schon wieder auf dem Weg nach Hause,“ damit marschierte ich aus dem Haus, besser gesagt, die Hütte. Es war wirklich eine Art Camp. Jetzt, am Tag, konnte ich viel mehr erkennen als letzte Nacht. Ich zog meine Augenbrauen hoch. Das Camp war in sechs Teile aufgeteilt. Vier von ihnen entsprachen den jeweiligen Clan-Aktivitäten, sozusagen als Trainingszentren. Dann gab es noch ein Haupthaus und eine Art „Shopping Street“ Beim näheren Hingucken bemerkte ich, jedoch das es eine etwas andere „Shopping Street“ war, als die Normalen in Miami Town. Es gab eine Schmiede, Bäckerei, Schneider, Schuster. Die Läden wurden von den Campbewohnern geführt. Plötzlich war Luce hinter mir. „Das haut einen um, nicht wahr?“ Ich wirbelte herum. Automatisch in Kampfstellung, doch bevor ich ihm meine Faust ins Gesicht rammen konnte, hatte er sie mit seiner Hand umschlossen. Für einige Sekunden standen wir schweigend da. Ich konnte sehen wie seine Augen aufleuchteten und ein neckisches Funkeln aufblitzte. Für einen Moment stockte mir der Atem. Er hatte tief blaue, mit schwarz gemischte, Augen. Genau wie seine Haare, die dieselben Farben hatten, glänzten sie in der Sonne. Die Stille wurde von einem wütenden Schrei unterbrochen. Das Mädchen, das vorhin in das Haus hineingelaufen war, stürmte wütend hinaus. Ich zog automatisch meine Hand aus der von Luce, wieder sah ich seine Augen kurz aufblitzen. Um seine Aufmerksamkeit von mir abzulenken fragte ich ihn was das Mädchen den habe. „Das ist Jess, sie ist die Hüttensprecherin der Erdkrieger in diesem Camp, und wahrscheinlich hat, Guard ihr gerade mitgeteilt, dass sie sich kein neues Chakramesser machen darf,“ Unwillkürlich musste ich an Jasper denken, er hatte mir damals gezeigt wie man sich ein Chakramesser formt. Hinter uns räusperte sich jemand. Guard, oder wie er auch immer hieß. „Hallo nochmal, wie du schon vielleicht mitgekriegt hast bin ich Guard. Ich bin der Campälteste, das heißt, dass ich, zusammen mit den älteren Trainern und den Hüttensprechern das Sagen habe, verstanden? Wir würden uns wirklich freuen, wenn du bei uns im Camp bleiben würdest, es steht die frei zur Wahl ob du bleibst oder nicht, aber ich möchte dich darauf hinweisen, dass du außerhalb diese Camps höchst wahrscheinlich in Gefahr sein wirst. Es gibt genügend Leute die dich tot sehen wollen, wie du sicherlich schon bemerkt hast, oder?“ Ich musste schlucken und nickte. Sein Blick wurde wärmer und seine Stimme weicher: „Solange du hier bist, werden wir dich trainieren und dir zeigen, wie man als Krieger überlebt. Wenn du also zusagst und dich hier im Camp einleben möchtest, kannst du gerne ein paar Tage auf Probe bleiben, ich erwarte in spätestens drei Tagen deine Entscheidung. Wir übernehmen keine Haftung für mögliche Überfälle, wenn du außerhalb des Camps angegriffen wirst. Ach noch was, wenn du dich uns anschließt, wirst du auch bei uns bleiben müssen. Für immer. Das mag hart klingen, aber es ist das Beste für uns alle.“ In seinem Blick konnte ich Mitleid erkennen. Ich senkte meine Augen, wieder hatte ich einen Kloß im Hals. Dann nickte ich. Anscheinend hatten die Mischlinge eine eigene Hütte. Wie eine WG, dachte ich bitter. Denn das würde heißen, dass ich mir die Hütte alleine mit Leon Light teilen musste. Der idiotische Perversling. Oh, nein, ich muss mich korrigieren. Leon Light, der idiotische, außerirdische Alien-Perversling vom Planeten Testosteron. Luce hatte mir erzählt, dass Light mit sieben Jahren im Camp aufgenommen wurde, bis jetzt war er schon mit der Hälfte aller Mädchen im Camp zusammen gewesen. Tatsache jedoch ist, dass kein Clanmitglied die Hütte eines anderen Clans betreten durfte. Luce selbst war hier seit er fünf war. Seine Eltern waren bei, beziehungsweise kurz nach, seiner Geburt gestorben. Wie sich herausstellte war er der Windkrieger und Meeko der Erdkrieger. Im Gegensatz zu ihm und Light mochte ich Luce. Im war er egal ob ich hierblieb oder nicht, trotzdem, er schien sich Gedanken um mich zu machen. Was Meeko anging, ich war mir nicht sicher, aber er schien mich nicht zu mögen. „Kommst du?“ das war Light. Licht, Light hieß im deutschen Licht. In Sprachen war ich schon immer gut gewesen. „Ja, ich komm ja schon,“ Guard hatte ihm aufgetragen mir das Camp zu zeigen. Jeder hier arbeitete mit einem Partner, wie sich herausstellte, waren Luce und Meeko Partner, was mir ein kleinen Stich versetzte, klar, ich hatte mir vorgenommen nicht hierzubleiben, aber wenn, hätte ich gerne Luce als meinen Partner gehabt. Wir verließen unsere Hütte und machten uns auf den Weg. Zuerst zeigte Light mir das Erdkrieger Training. Die Campbewohner wurden in jedem Element trainiert, zumindest lernten sie ihres richtig einzusetzen und die Attacken eines anderen Elementes abzuwehren. Es zischte als ein riesiger Gesteinsblock durch die Luft, direkt auf einen schmächtigen Jungen zuflog. Ich wollte ihn warnen, doch bevor ich den Mund aufmachen konnte, pustete der Junge durch seine Hände, ein roter Feuerball schoss aus seiner Hand hervor und traf auf den Stein. Mit einem Krachen zersprang er, gleichzeitig erlosch das Feuer. Mit offenem Mund hatte ich das Schauspiel verfolgt, jetzt musste ich unwillkürlich grinsen, so dumm ich es auf finden wollte, Tatsache war, dass es doch ziemlich cool war. Light schien das von meiner Miene ablesen zu können. Er grinste, „Wart ab bis du die anderen Stationen und das Waffentrainig siehst.“ Ich wurde rot aufgrund seines anzüglichen Grinsens. Wir liefen weiter, immer wieder flogen Steine durch die Gegend, und wurden mit unterschiedlichen Elementen abgewehrt. Das unglaublichste, war jedoch, als ein Mädchen, ich machte sie als Jess aus, einen gigantischen Brocken auf einen Windkrieger zuschleuderte, der Junge sprang hoch, doch anstatt seine Windkraft zu nutzen zog er ein Schwert, ein Säbel um genau zu sein, und zerschlug den ganzen Stein. Mit einem lauten Knall zersprang er und es regnete kleine Kiesel. Ach. Du. Scheiße. War alles, was ich mir denken konnte. Light zog mich weiter. Die nächste Station, Wasser. Zuerst dacht ich hier sei nichts los, nur eine Gruppe von Trainern stand vor dem Meer und streckten ihre Hände nach vorne, Richtung Meer, aus. Doch dann hob sich das Wasser an. Langsam schob sich eine riesige Wasserwand in den Himmel bis sie die Sonne verdeckte, ich war nicht die einzige die zuschaute. An vielen Stationen wurde das Training unterbrochen. Gemurmel, hier und da Applaus. Langsam senkte sich die Wassermenge wieder zurück ins Meer, und der Applaus brandete auf. Ich klatschte mit, selbst jetzt wo das Wasser wieder im Meer war konnte ich den intensiven Salzgeruch riechen. Er wirkte so beruhigend, dass ich gar nicht merkte, dass die Trainer auf uns zukamen. Erst als sie kurz vor uns standen hob ich den Kopf. Freundliche Augen blickten mich an. Ich lächelte unsicher, als einer von ihnen mir seine Hand hielt. „Hallo, du musst Sirena sein, ich bin Caine und das sind Ray, Lewis, Joanna und Dianna, wir sind die Trainer von den Wasserkriegern. Schön das du dich hier einleben möchtest. Falls du fragen hast kannst gerne auf uns zukommen.“ Ich ergriff seine Hand und schüttelte sie. „Danke, freut mich auch. Übrigens können sie mich Winter nenne, keiner meiner Freunde hat mich jemals Sirena genannt.“ Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, „Also Winter, ja?“ Ich nickte feierlich. Auch die anderen Trainer lächelten nun und bedachten mich mit einem nicken. Light der unruhig neben mir rumgehampelt hatte, schaltete sich jetzt ein. „Wir müssen jetzt weiter, ich muss Wiwi noch das ganze Camp zeigen“ Ich glaubte mich verhört zu haben, wie hatte mich der Perversling da gerade genannt. Langsam drehte ich mich um. „Hör mal LILI, ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen und du hast doch sicherlich noch zu trainieren.“ Hinter mir konnte ich jemanden glucksen hören, ich glaube es war Lewis. Lights Augen verengten sich. „Sicher hab ich besseres zu tun, aber jemand muss dir doch den Babysitter spielen, so hat Guard es mir aufgetragen.“ Jetzt wurde ich richtig sauer. „Nun, anscheinend hält Guard dich für so untalentiert, dass er dich nur als Babysitter einsetzten kann.“ Lewis und Dianna lachten inzwischen. Light knirschte seine Zähne. „Ach, mach doch was du willst!“ Dann dreht er sich auf seinem Absatz herum und stürmte davon. „Ich weiß nicht, ob das so klug war,“ meinte Cain, doch man konnte deutlich hören wie sehr er sich amüsierte. „Der Perversling kann mir den Buckel runter rutschen,“ grummelte ich, was den Topf zum überlaufen brachte. Die fünf Trainer lachten sich kringelig, während ich nur dastand und hoffte, dass nicht allzu viele Leute meinen kleinen Ausrutscher an Light gesehen hatten.

8.12.13 21:38, kommentieren